Das Konzept der Ausstellung wurde von der NRW.BANK und der Kunstakademie gemeinsam entwickelt. Die Zusammenarbeit mit der Klasse Köpnick ist dabei der Auftakt einer langfristig angelegten Kooperation zur Förderung junger Kunst, die mit weiteren Klassen fortgeführt werden soll. Die Förderbank stellt nicht nur Raum für die Fotos zur Verfügung. Sie sponsert außerdem auch die Herstellung der Kunstwerke, die dann für den Zeitraum der Ausstellung ausgeliehen werden. Dem studentischen Kurator wird zudem ein erfahrener Ausstellungsmacher als Coach zur Seite gestellt. Kirsten Nagel, zuständig für das gesellschaftliche Engagement der NRW.BANK, betont: „Wir lassen den jungen Künstlern große Freiheiten.“
Diese haben die 14 beteiligten Mitglieder der Klasse Köpnick genutzt. Wer sich einer der regelmäßig angebotenen Kunstführungen anschließt, trifft auf vitale Collagen und morbide Montagen, bizarre Blaupausen und ernste Kompositionen, lichte Porträts und dunkle Stillleben. Die Bandbreite der von Jan Linnemann kuratierten Ausstellung entspricht der Vielfalt des Lebens. Die einzelnen Kunstwerke sind in Idee, Material und Umsetzung höchst individuell. Und doch zieht sich der Themenkomplex Heimat und Identität als roter Faden durch die Flure und Sitzungszimmer.
Vergängliche Schönheit
Die Kunstwerke wurden eigens für den Neubau der NRW.BANK an der Friedrichstraße 1 in Münster geschaffen. Einige Studenten ließen ihre Kunst sogar direkt im Gebäude entstehen. So auch Jiwon Han, die sich selbst eingezäunt von einer Absperrung aus rotem Flatterband vor dem Empfangsschalter der NRW.BANK ablichtete. „Bitte beachten Sie mich“ heißt ihre Arbeit. Die Koreanerin möchte so persönliche Grenzen sichtbar machen. „Obwohl ich jetzt seit fünf Jahren hier wohne, macht es mir immer noch Angst, Verständigungsprobleme wegen Bankangelegenheiten alleine lösen zu müssen.“
"Still Life" von Yi-Kyung ChoAuch Michael Schröder fotografierte für seine Arbeit „Sucher Videoloop, HD, 58‘24‘‘“ direkt im Gebäude der NRW.BANK. Mehrmals drückte er bei einem nächtlichen Rundgang auf den Auslöser. Als Film sind die einzelnen Fotos auf einem Bildschirm auf der zweiten Etage zu sehen. Dabei entspricht die Zeit, wie lange ein Standbild zu sehen ist, der Zeit, die der Fotograf brauchte, um zum nächsten Motiv zu gelangen. Stillstand bei gleichzeitiger räumlicher Bewegung: Damit greift der Münsteraner Student an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Film in die Kontinuität von Raum und Zeit ein.
Raum und Zeit spielen auch eine Rolle bei Yi-Kyung Cho mit ihrem Fotoleuchtkasten unter dem Titel „Still Life“: eine Collage aus zerrissenen und mit Klebeband wieder zusammengefügten Abbildungen von Blüten und Vasen. Hinterfragt wird das Medium der Fotografie mit einem Rückbezug über Jahrhunderte hinweg zu den Gemälden alter Meister. Während diese in ihre prachtvollen Stillleben allerlei Ungeziefer malten, um demutsvoll die Vergänglichkeit von Schönheit anzudeuten, geht Yi-Kyung Cho als Fotografin den umgekehrten Weg, indem sie verwelkte Blumen per Hand zu einer verführerisch schönen Komposition zusammensetzt.
Prof. Andreas KöpnickKreative Unruhe
„Ich freue mich über die gelungene Zusammenarbeit“, sagt Professor Andreas Köpnick. Dass sich die NRW.BANK auf das Experiment eingelassen hat, ihre Kunden und Mitarbeiter nicht nur mit progressiven, sondern zuweilen auch mit verstörenden Werken zu konfrontieren, zeigt für den Kunstprofessor, dass die Förderbank sich am gesellschaftlichen Diskurs orientiert. Für Irritation sorgt zum Beispiel in einem Sitzungszimmer das Bild „David Star“, das einen kahlgeschorenen jungen Mann im gestreiften Hemd zeigt, der aus Nachos einen gelben Judenstern formt. Der Fotograf Jacek Lasczewski stellt heraus, dass er damit „eine Verbindung zwischen der jüdischen Vergangenheit und heute“ schaffen will.
„Wir wollten eine kreative Unruhe ins Haus hineinbringen“, sagt Andreas Köpnick. Das ist ihm und seiner Fylmklasse gelungen – ohne Frage.




