Gerrit Schumann ist wohl das, was man einen „Wiederholungstäter“ nennt. Schon einmal, 1997, gründete er ein E-Commerce-Unternehmen. Seine Firma Element5 veränderte damals den Vertrieb von Computerprogrammen entscheidend und anders als viele andere Internetbuden überlebte sein Start-up das Platzen der New-Economy-Blase. Gerrit Schumann verkaufte das 200-Mitarbeiter-Unternehmen vor gut sechs Jahren an einen US-Wettbewerber und blieb anschließend noch ein Jahr lang an Bord. Aus dem Konzern verabschiedete sich der heute 37-Jährige mit den Worten: „Beim nächsten Mal mache ich etwas mit Musik.“
Nach vielen Reisen und viel Zeit für die Familie war es zwei Jahre später wieder da: das Kribbeln, die Unruhe. „Ich habe nach einer neuen großen Aufgabe gesucht.“ Auf einer Party traf er 2006 Georg Bergheim, einen Kenner der Musikbranche. Man kam ins Gespräch und wenig später war sie geboren, die Geschäftsidee zur MusicNetworx AG. Das Konzept für den Unternehmensstart klingt eigentlich ganz simpel: Live-Konzerte werden auf einem USB-Stick gespeichert und den Besuchern zur sofortigen Mitnahme angeboten. Über ein Online-Portal lässt sich zudem das zugehörige Musikvideo herunterladen, und zwar „von genau jenem Konzert, das die Fans gerade miterlebt haben“, so Gerrit Schumann.
Screenshot der simfy-BenutzeroberflächeEin Traditionsmarkt wird neu geordnet
Was so einfach klingt, ist ein kompliziertes Geschäft. Vor allem die Aufteilung der Lizenzrechte unter den Künstlern, den Vermarktungsgesellschaften, den Textern, Komponisten und allen anderen Beteiligten gestaltet sich immer wieder schwierig. Gerrit Schumann: „In dieser Branche geht es um Milliarden, da wird natürlich hart gerungen.“ Doch das Konzept der Kölner bietet neue Chancen für alle. Kein Wunder also, dass die Firma so kraftvoll startete: Die Referenzliste des jungen Unternehmens liest sich wie das Who is Who der Charts: Kiss, Simply Red, Supertramp und auch Klassik-Newcomer wie Paul Potts vermarkten ihre Live-Musik und -Videos nun digital.
Ende 2009 gelang dem Geschäftsführer-Duo dann ein weiterer großer Wurf: Sie kauften die junge Firma simfy und schufen damit die Basis für ihren neuen, zukunftsträchtigen Tätigkeitsschwerpunkt. Der Name simfy wurde für das gesamte Unternehmen angenommen. Sie offerieren ihren Kunden sozusagen eine digitale Plattensammlung im Internet. Wer ein Nutzerkonto eröffnet, stellt sich per Mausklick aus mehr als acht Millionen Songs seine persönlichen Charts zusammen – abzuspielen auf dem Computer, bequem im Internet-Browser oder auch unterwegs auf dem Smartphone. Das Beste daran: Dank der angewandten Streaming-Technik kann sich die vorwiegend junge Klientel die Titel sofort anhören, anstatt erst das Ende des Downloads abwarten zu müssen. „MusicNetworx und simfy hatten nahezu identische Zielgruppen, sie waren eine perfekte Symbiose“, urteilt Dr. Thomas Raueiser, Investment- Manager bei der NRW.BANK. Gemeinsam mit den Risikokapitalgebern DuMont Venture und Earlybird hat die Förderbank aus ihrem NRW.BANK.Kreativwirtschaftsfonds das notwendige Eigenkapital für die Expansion und die Übernahme bereitgestellt.
Unternehmer aus Leidenschaft
Mit dem simfy-Coup und der darauffolgenden Verlagerung der Geschäftstätigkeit hat Gerrit Schumann wieder einmal allen bewiesen, dass er ein Unternehmertyp ist. Woher seine Leidenschaft für das Unternehmersein kommt? „Die Gipfel des Erfolgs sind viel höher – die Täler, in die man nach einer Niederlage fällt, aber auch viel tiefer.“ Unternehmer sein kann man nur zu 100 Prozent oder gar nicht, weiß er. Da wundert es nicht, dass die Messlatte, die er bei seinen Mitarbeitern ansetzt, hoch liegt: „Mir ist Vertrauen sehr wichtig, Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit.“ Alles Attribute, die Gerrit Schumann in der flippigen, fast chaotisch anmutenden Musikbranche zu einem gefragten Geschäftspartner machen.



